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DER HINTERGRUND DES REICHSFORMATS

Vor dem 19. Jahrhundert hat sprichwörtlich jeder seinen eigenen Stein gebacken. Mit der fortschreitenden Industrialisierung wurde jedoch eine Vereinheitlichung möglich. Ab 1872, nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs, war diese sogar per Gesetz verbindlich.

So errichtete man die meisten Gebäude in unserem Land seit dieser Zeit und bis Mitte des 20. Jahrhunderts aus jenen ersten genormten Ziegelsteinen. Das Reichsformat schaffte ein erstes System für verlässliche Baugrößen. Es löste die bis dahin üblichen, ständig variierenden Klosterformate ab. Die teilindustrielle Herstellung erlaubte bessere Qualitäten und größere Mengen

Mit dem metrischen System und der noch konsequenteren Standardisierung im 20. Jahrhundert wurde das Reichsformat durch das heute übliche Normalformat selbst abgelöst. Viele historische Bauten, vor allem im Kontext der Industrialisierung und Moderne, bestehen aus Ziegeln und Klinkern im Reichsformat.

Die Bewahrung ihrer Substanz ist Gegenstand des Denkmalschutzes und Anliegen von architektonischen Kennern.